Zeitschriften, in denen Čechov publizierte

Budilnik - "Der Wecker", illustrierte satirische Wochenzeitung, erschien 1865-1871 in Petersburg, ab 1873 (bis 1917) in Moskau. Čechovs Mitarbeit am B. zwischen 1881 und 1887, besonders in den Jahren 1882 und 1885, sonst nur sporadisch.
Mirskoj tolk - "Die Weltmeinung", Wochenschrift für gesellschaftliches Leben, Politik und Literatur, erschien 1879-1884 in Moskau. Čechov veröffentlichte in MT. gelegentlich, insgesamt etwa 10 Erzählungen.
Oskolki - "Splitter"; humoristische illustrierte Wochenzeitung, erschien 1881-1916 in Moskau, liberal-demokratischer Linie. Čechovs Mitarbeit an den O. begann 1882, ab 1883 veröffentlichte Čechov in den "Oskolki" bis 1886 wöchentlich mindestens eine, oft zugleich mehrere Kurzgeschichten, Erzählungen und Feuilletons; er führte darüber hinaus unter den Pseudonymen "Ruver" und "Uliss" 1883-1885 eine vierzehntägige Spalte "Splitter des Moskauer Lebens". Insgesamt erschienen in den "Oskolki" etwa 270 Arbeiten Čechovs. Der Verlag "Oskolki" brachte 1886 die Erstausgabe des Erzählungsbandes "Pestrye rasskazy" von Čechov heraus.
Peterburgskaja gazeta - "Petersburger Zeitung", Tageszeitung, erschien 1867-1917, Boulevardblatt. Parallel zu seiner Tätigkeit für die Moskauer "Oskolki" publizierte Čechov in den Jahren 1885-1887 regelmäßig wöchentlich in der PG.
Razvlečenie - "Zerstreuung"; liberal humoristische Wochenzeitung auf geringem Niveau, ausgerichtet auf den kleinbürgerlichen Geschmack, erschien 1859-1905 in Moskau, ab 1906 als Beilage der Zeitung "Moskovskij listok" ("Moskauer Kleines Blatt"). Nur gelegentliche Mitarbeit Čechovs 1884/85.
Russkij satiričeskij listok - Russisches satirisches Blatt", humoristische, illustrierte Zeitung; in ihr erschienen einige kleinere Arbeiten Čechovs.
Strekoza - "Die Libelle", illustrierte humoristische Wochenzeitung, erschien in Petersburg 1875-1908, mit bürgerlich-liberalem Kurs; zu den Illustratoren gehörte auch Čechovs Bruder Nikolaj. In der Strekoza erschien die erste Arbeit Čechovs (20. Januar 1880) und weitere frühe Geschichten; 1883 im "Almanach der Strekoza" das "Schwedische Zündholz".
Zritel - "Der Zuschauers", "Der Betrachter" illustrierte humoristische Wochenzeitung, erschien 1881-1885 in Moskau. Zu den ersten Mitarbeitern ab Nr. 5, 1881 gehörte Čechov; einige Erzählungen dann nochmals im Jahr 1883.

Zur Transkription

Die Transkription der russischen Namen folgt der in der Slavistik üblichen, die für die spezifisch russischen Laute diakritische Zeichen benützt. Die wichtigsten, vom deutschen Alphabet abweichenden Laute des Russischen sind: Č - tsch - wie Čechov
c - immer "ts", wie in "Zeichen"
ch - immer hartes "ch", wie in "ach!" (nie wie in "ich")
s - immer stimmloses, scharfes "s", wie in "essen"
š - immer stimmloses, scharfes "sch", wie in "Asche"
v - im Silbenanlaut, vor Vokalen und stimmhaften Konsonanten ="w"
im Silbenauslaut und vor stimmlosen Konsonanten = "ff"
z - immer stimmhaftes, weiches "s", wie in "Rose"
ž - immer stimmhaftes, weiches sch", wie in frz. "Jour"
Jedes "e" und "i" palatalisiert den vorausgehenden Konsonanten, das heißt, wird mit einem leichten "j" -Vorschlag gesprochen.
Betontes "e" (ë) wird wie "jo" gesprochen und zieht automatisch die Wortbetonung auf sich.
Unbetontes "o" wie "a"; betontes "o" immer offen, wie im Wort "offen" (nie wie in "Ofen").

Namen und Anrede im Russischen

Im Russischen setzt sich jeder Name aus drei Teilen zusammen - dem Vornamen (Anton), dem Vatersnamen (Pavlovič oder, bei Frauen, Pavlovna) und dem Familiennamen (Čechov). Die offizielle Anrede besteht aus Vor- und Vatersnamen (was das im Deutschen übliche "Herr" bzw. "Frau" ersetzt) - "Anton Pavlovič" ist demnach soviel wie deutsch "Herr Čechov". Die intim-vertrauliche Anrede beschränkt sich wie im Deutschen auf den Vornamen bzw. dessen Koseformen.
Im gesprochenen Russisch werden die "korrekten" Formen des Vatersnamens gelegentlich abgeschliffen (für "Ivan Ivanovič", oft auch nur "Ivan Ivanyč"), woraus sich zuweilen zweierlei Schreibweisen ergeben. Die "abgeschliffene" Form wird gegenüber Personen gebraucht, die man zwar siezt, mit denen man aber doch auf bestimmte Weise vertraut ist, während die "korrekte" Form des Vatersnamens in hochoffiziellen Situationen gebraucht wird, gegenüber Respektspersonen, Höhergestellten usw.

Maße und Gewichte

Gewichte:
1 Pud = 40 Pfund oder 16,38 kg
1 Pfund =32 Lot oder 96 Zolotnik oder 410 g
1 Lot = 3 Zolotnik oder 12,80 g
1 Zolotnik = 4,26 g
Längenmaße: 1 Verst =500 Sažen oder 1067 m
1 Sažen = 3 Aršin = 48 Veršok oder 2,134 m
1 Aršin = 16 Veršok oder 71,1 cm
1 Veršok = 44,45 mm
Flächenmaße: 1 Desjatine = 2400 Quadrat-Sažen oder 1,0925 ha
1 Quadrat-Verst = 104,17 Desjatinen = 1,138 km²

Russische Feiertage, Kirchenfeste, Fasten

Die Zahl der Feiertage lag im zaristischen Russland wesentlich höher als in westlichen Ländern zur selben Zeit; das "Große Enzyklopädische Wörterbuchs" der russische Brockhaus, zählt in Band 48 (1898) in Russland 98 Feiertage bei 267 Arbeitstagen (zum Vergleich Preußen: 60 bei 305 Arbeitstagen). Unter die Feiertage fielen, zu Čechovs Zeiten und in der zeitgenössischen Sprache des Baedeker, Staatsfeiertage wie das "Namensfest der Kaiserin", "Geburtsfest des Kaisers", "Krönungsfest", "Namensfest der Kaiserin-Witwe", "Geburtsfest des Thronfolgers Alexei Nikolajewitsch" u. a.
Kirchenfeste waren neben dem Weihnachtsfest (am 25., 26. und 27. Dezember - die Datenangaben jeweils nach dem alten Kalender), Ostern (Donnerstag, Freitag und Samstag in der Karwoche sowie i., 2. und 3. Osterfeiertag), Christi Himmelfahrt, Pfingsten (zwei Tage) sowie dem Freitag und Samstag in der Butterwoche, d. h. der Woche vor Beginn der Großen Osterfasten:
6.Januar
2.Februar
25.März
9. Mai
29. Juni
6. August
15. August
29. August
30. August
8. September
14. September
26. September
1. Oktober
22. Oktober
21.November
6. Dezember
Erscheinung Christi
Christi Darstellung
Maria Verkündigung
Fest des hl. Nikolaus des Wundertäters
Fest der Apostel Petrus und Paulus
Verklärung Christi
Maria Himmelfahrt
Johannis Enthauptung
Fest des hl. Alexander Nevskij
Maria Geburt
Kreuzeserhöhung
Fest des Evangelisten Johannes
Maria Schutz und Fürbitte
Fest des wundertätigen Bildes der hl. Muttergottes von Kazan
Maria Opfer
Fest des hl. wundertätigen Nikolaus
Die Fasten (russisch "post") der russisch-orthodoxen Kirche unterteilen sich in ein- und mehrtägige Fasten. Die mehrtägigen Fasten sind: 1. die Großen Fasten, beginnend mit dem Montag nach der Karnevals- oder Butterwoche, 40 Tage vor Ostern;
2. die Apostel- oder Peters fasten vor Peter und Paul; diese sind vom Datum des Osterfestes abhängig, daher von unterschiedlicher Länge; 3. Uspenskij post vom i. bis 15. August zu Ehren der Muttergottes, vor Maria Himmelfahrt;
4. die Weihnachts- oder Philippifasten vor Weihnachten, beginnend mit dem 14. November, 40 Tage vor Christi Geburt. Eintägige Fasten jeweils mittwochs und freitags, mit Ausnahme der Karwoche (da diese Woche als "ein einziger lichter Tag" angesehen wurde), der Pfingstwoche, der zwölf Tage zwischen Weihnachten und Christi Erscheinung; ferner am 14. September zur Kreuzeserhöhung 29. August zu Johannis Enthauptung und am 5. Januar, dem Vorabend von Christi Erscheinung. (Nach dem "Großen Enzyklopädischen Wörterbuch", St.-Petersburg, Brockhaus/Efron, 1898, Band 48.)

Die russischen Rangklassen

Die Liste der Rangklassen in Russland geht zurück auf Peter 1. In Anlehnung an westliche Vorbilder (Frankreich, Preußen, Dänemark und Schweden) wurden durch Erlass 1722 vierzehn Rangklassen geschaffen, die praktisch und ohne wesentliche Veränderung bis 1917 in Kraft blieben. Der petrinischen Reform des Staats- und Militärsdiensts lag der Gedanke zugrunde, dass auch Nichtadelige durch Leistung (durch Erreichen eines Rangs) in den Adel erhoben werden konnten.
Zu Čechovs Zeiten wurden folgende Ränge an Zivil- bzw. Militärbeamte verliehen:
Klasse Zivildienst Militärdienst
1 Kanzler Generalfeldmarschall, General - Admiral
2 Wirklicher Geheimrat General, Admiral
3 Geheimrat Generalleutnant, Vize - Admiral
4 Wirklicher Staatsrat
Oberstaatsanwalt
Generalmajor, Konter - Admiral
5 Staatsrat
6 Kollegienrat Oberst
Militärrat, Kapitän 1.Range
7 Hofrat Oberstleutnant, Kapitän 2.Range
8 Kollegienassessor Leutnant, Rittmeister
9 Titularrat Stabshauptmann, Stabsrittmeister, Leutnant
10 Kollegiensekretär Leutnant, Schiffsfähnrich
11 Schiffssekretär
12 Gouvernementsekretär Sekondeleutnant, Kornett
13 Provinzsekretär, Senatsregistrator, Synodalregistrator, Kabinettsregistrator
14 Kollegienregistrator

Personen der oberen vier Rangklassen gebührte die Anrede "Euer Exzellenz". Der Adelstitel, der auf dem Dienstwege verliehen wurde, war erblich für den, der ein Amt des 9. Rangs erreicht hatte; den Adelstitel beantragen konnte z.B. auch ein Unternehmen, das sein 100-jähriges Jubiläum feierte (vgl. die Novelle "Drei Jahre", vgl. Gaevs Rede im i. Akt des "Kirschgarten").
Čechov hat am l0.Mai 1886 in den "Oskolki" folgende literarische Rangliste aufgemacht:
Rang-Tabelle in der Literatur
Wirkliche Geheimräte (nicht besetzt).
Geheimräte: Lev Tolstoj, Gončarov.
Wirkliche Staatsräte: Saltykov-ščedrin, Grigorovič.
Staatsräte: Ostrovskij, Leskov, Polonskij.
Kollegienräte: Majkov, Suvorin, Garšin, Burenin, Sergej Maksimov, Gleb Uspenskij, Katkov, Pypin, Pleščeev.
Hofräte: Korolenko, Skabičevskij, Averkiev, Boborykin, Gorbunov, Gr. Salias, Danilevskij, Muravlin, Vasilevskij, Nadson, N. Michajlovskij.
Kollegienassessoren: Minaev, Mordovcev, Avseenko, Nezlobin, A. Michajiov, Palmin, Trefolev, Petr Vejnberg, Salov.
Titularräte: Albov, Barancevič, Michnevič, Zlatovratskij, Špažinskij, Sergej Atava, Cujko, Mešcerskij, Ivanov-Klassik, Vas. Nemirovič-Dančenko. Kollegiensekretäre: Frug, Apuchtin, Vs. Solovjev, V. Krylov, Jurjev, Goleniščev-Kutuzov, Ertel, K. Slucevskij.
Gouvernementssekretäre: Notovič, Maksim Belinskij, Nevežin, Karazin, Vengerov, Nefedov.
Kollegienregistratoren: Minskij, Trofimov, F. Berg, Mjasnickij, Linev, Zasodimskij, Bazin.
Ohne Rang: Okrejč.


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